Open Air-Gottesdienst

Herzliche Einladung

zum Präsenz - Gottesdienst am Sonntag, 8. August um 10:45 Uhr in der Moyländer Kirche

Gottesdienste

Online-Andacht zum Sonntag Rogata, 9. Mai 2021

...es klingelt. Sie steht auf und geht zur Türe. Gute Freunde sind gekommen, sie lachen und freuen sich über die gelungene Überraschung. Nur, was soll sie ihnen anbieten? Da holt sie diese Schachtel mit den kleinen Schokoladenpralinen aus dem Schrank. Nach kurzer Zeit ist sie leer – aber kein Problem, im Schrank ist ja noch eine Schachtel! Guten Freunden gibt man ein Küsschen, oder zwei oder drei! Vielleicht kennen Sie den Werbespot für diese speziellen Schokopralinen.

 

Szenenwechsel: ...es klopft an der Türe. Etwas besorgt schaust Du, wer das sein könnte, kurz vor Mitternacht, eigentlich keine Zeit für spontane Besuche. Aufatmen: Ein alter Schulfreund aus der alten Heimat ist es, der da hinter seiner Corona-Schutzmaske zu erkennen ist. Er ist auf Durchreise und braucht für die Nacht eine Unterkunft. Er hatte nicht bedacht, dass wegen Corona alle Hotels geschlossen sind. Natürlich bittest Du Deinen Freund herein. Nur, zu essen hast nichts für den Freund, zum Einkaufen warst Du nicht gekommen. Also machst Du Dich wiederum auf den Weg, inzwischen ist es Mitternacht, und klopfst bei einem befreundeten Nachbarn, Du weckst diesen auf und bittest um Brot für Deinen Gast. Wie wird der reagieren? Gibt er oder gibt er nicht?

Wie die Geschichte weitergeht lesen wir im Lukasevangelium. Jesus erzählt sie im 11. Kapitel: Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

Lukas 11,5-8

Genaugenommen erzählt Jesus hier überhaupt gar keine Beispielgeschichte, er fragt einfach: „Wenn jemand unter euch hat einen Freund?“ So fängt er an, und erwartet, dass wir Schritt für Schritt in Gedanken mitgehen. Wie würden wir reagieren? Haben wir solche Freunde, die bei uns anklopfen, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit? Würden wir geben oder nicht? Würden wir andere um etwas bitten, weil wir nicht haben, was unsere Freunde brauchen? Würden wir für uns selbst um etwas bitten?

Und eigentlich will Jesus, dass wir uns fragen: Würden wir Gott um etwas bitten? Könnte Gott für uns wie dieser befreundete Nachbar sein, den man zur Unzeit noch rausklingeln und fragen kann? Was bekommen wir von ihm?

Allerdings, die Sache mit Gott ist halt kompliziert und..., naja, dass der kein Wunscherfüllungsautomat ist, wissen wir, deshalb tun wir uns schwer mit diesem „Bittet, so wird euch gegeben“. Viele Menschen fragen heutzutage bei Gott nicht mehr an, von ihm wird nichts erwartet.

Aber in diese Situation mit dem Freund können wir uns alle hineinversetzen. Freunde helfen sich nämlich, Freundschaften sind wichtig, heute wie zur Zeit Jesu. Selbst wenn wir wahrscheinlich heute selten von Freunden an der Türe wach geklingelt werden. Verspäteter Besuch hätte sich schon längst per Handy oder WhatsApp angekündigt. In der Regel haben wir auch so viel im Haus, dass wir Freunde immer satt bekommen. Alles kein Problem, zumal Freundschaften wichtig sind, und guten Freunden gibt man natürlich ein Küsschen oder zwei oder mehr. Aber das entscheidende ist: Mit der besten Freundin, dem besten Freund kann ich tiefste Geheimnisse teilen, kann ich mich ausweinen und dann gemeinsam lachen. Freunde sind Ratgeber, sie treiben mich immer wieder an, und sie sind Weggefährten, oft über einen langen Zeitraum. Oft genug wird der Partner als bester Freund bezeichnet, mit dem man über alles reden kann, mit dem man alles teilt, für den man alles gibt.

Also fragt Jesus: Wer von euch hat einen Freund? Die allermeisten werden sagen: Na klar habe ich einen Freund. Jesus sagt: Dieser Freund kommt zu Dir. Er braucht etwas von Dir. Aber du kannst es ihm nicht geben. Also musst du einen anderen befreundeten Menschen um das bitten, was Dein Freund von Dir braucht. Die Uhrzeit legt Dir aber nahe, dass diese Bitte eigentlich ungehörig, ja, unverschämt ist. Denn es verdammt spät. Und so stehst du mitten in der Nacht vor der Tür deines befreundeten Nachbarn, klingelst und stammelst Deine Bitte: „Ich habe nicht alles mein Freund, meine Freundin, gerade braucht!“ Der befreundete Nachbar ist mehr als genervt. „Verdammt, weißt Du eigentlich wie spät es ist!“

Doch am Ende bekommst Du alles, Hilfe für Dich und Deinen Freund, allein schon, damit Dein Nachbar weiterschlafen kann.

So ist Gott. Gott ist wie dieser befreundete Nachbar. Er gibt Dir alles. Ohne Scham lässt Gott sich bitten wie ein guter Freund, bei dem man auch zu ungewohnter Stunde, in unangemessener Art und Weise anklopfen kann.

Freunde begegnen sich auf Augenhöhe. Wenn wir Gott Vater nennen, lässt uns das Kind sein – mit all den Bedürftigkeiten der Kinder, die Eltern zu stillen haben. Und Gott, der Allmächtige, ist wiederum manchmal so mächtig, dass wir uns schon nicht trauen, zu ihm zu kommen und etwas zu fragen oder um etwas zu bitten. Gott, der sich aber bitten lässt wie ein Freund, wie ein befreundeter Nachbar, lässt uns erwachsen und auf gleicher Höhe sein. Ohne falsche Scham darf ich zu ihm zur Unzeit kommen und werde nicht abgewiesen, wenn ich für mich bitte oder für meine Freunde. Das ist das eine, was Jesus uns sagen möchte.

Zum anderen entwirft Jesus hier ein Netzwerk. Ein freundschaftliches Netzwerk. Mach nicht alles alleine, löse nicht jedes Problem alleine, sondern nutze dein freundschaftliches Netzwerk. Suche Entlastung! Der befreundete Nachbar steht für dieses Netzwerk. Ein freundschaftliches Netzwerk, wie es idealer Weise eine Kirchengemeinde ist. Oft genug erwarten wir zu nämlich viel von einzelnen Freunden, von einer Freundin, von einem Partner. Oft meinen wir umgekehrt, für den anderen, für die andere alles sein zu müssen.

Doch haben wir manchmal nicht einmal das nötige Brot. Aber wir können es uns leihen, jemand anderen bitten, eben jemanden aus unserem freundschaftlichen Netzwerk. Ich muss nicht so tun, als könnte ich alles und wäre ich alles.

Ohne Scham um Hilfe zu bitten, dazu macht Jesus Mut. Du musst nicht alles alleine machen, sagt er zu uns.

Lasst uns Teil dieses freundschaftlichen Netzwerkes sein.

Lassen wir unsere Kirchengemeinde Moyland ein solches freundschaftliches Netzwerk sein. Und lassen wir Gott selbstverständlichen Teil dieses Netzwerkes sein.

Wenn ich Hilfe für die Seele brauche, Kraft zum Leben, weil ich gerade nicht so lieben kann, wie ich es mir vorstelle, dann dann darf ich Gott bitten, dann darf ich mein freundschaftliches Netzwerk – meine Kirchengemeinde Moyland - bitten. Unverschämt bitten, für mich und für die anderen. Und Gott wird geben. Mein freundschaftliches Netzwerk wird geben. Denn guten Freunden gibt man ein Küsschen. Oder Zwei. Oder drei.

Amen.

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